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„Eine durchweg positive Resonanz“

Interview mit Wildbienen-Expertin Dr. Daniela Warzecha

Wie lassen sich Grünflächen, Gärten und Balkone insektenfreundlicher gestalten, fragten wir Daniela Warzecha vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Die Wildbienen-Expertin und Koordinatorin des Projekts »Insektenwiesen Hessen« gehört zur Jury des Fotowettbewerbs „Blühende Gärten“. Die Aktion stieß auf großes Interesse: Mehr als 200 Privatpersonen und Kommunen sendeten ihre Beiträge ein.

Dr. Daniela Warzecha, Wildbienen-Expertin beim Senckenberg Forschungsinstitut

Frau Dr. Warzecha, hätten Sie damit gerechnet, dass der Fotowettbewerb „Blühende Gärten“ des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain auf so großes Interesse stößt?

Warzecha: Die vielen Wettbewerbs-Einsendungen sind eine durchweg positive Resonanz. Daran lässt sich erkennen, dass es vielen Leute in der Region ein echtes Anliegen ist, in Gärten, Balkonen und Grünflächen wieder mehr Natur zuzulassen und zusätzlichen Lebensraum für Bienen und andere Insekten zu schaffen.

Wie haben Sie als ‚Fachfrau‘ die Qualität der Einsendungen erlebt?

Warzecha: Es war eine Freude zu sehen, wie viele Leute sich für das Thema interessieren und sehr engagiert bei der Umsetzung sind. Woran es manchmal etwas haperte, sind die verwendeten Pflanzen. Zum Beispiel sieht man noch regelmäßig hochgezüchtete Stauden mit gefüllten Blüten, häufig etwa bei Chrysanthemen, Dahlien oder Gänseblümchen zu finden. Sie sind schön anzusehen, bieten aber kaum mehr Nahrung für Bienen. Auch fehlt es häufig an heimischen Pflanzenarten. In Gartencentern und Baumärkten wird zudem vieles aktuell unter dem Label insektenfreundlich verkauft, was es aber oftmals nicht wirklich ist. Hier ist das Angebot im Handel insgesamt noch nicht optimal. Andererseits tut sich etwas: Es gibt einzelne Händler, die besseres Saatgut und regionale Stauden anbieten und auch Samentauschbörsen werden immer beliebter.

Was empfehlen Sie als bienen- und insektenfreundliche Bepflanzung?

Warzecha: Das hängt ein wenig davon ab, welche Tiergruppe man besonders unterstützen möchte. Da gibt es teils hohe Spezialisierungen unter den Insekten, die sehr umfangreich und komplex sein können. Indem man aber ein breites Angebot an Pflanzen mit möglichst verschiedenen Blütenformen, also tiefkelchige Blüten wie beispielsweise Klee, Platterbsen und Wiesensalbei ebenso wie offen zugängliche Blüten wie etwa Flockenblumen, Margerite oder Schafgarbe anbietet, hat man schon viel getan. Denn die unterschiedlich langen Mundwerkzeuge der Insekten entscheiden darüber, an welcher Blütenform sie an den Nektar gelangen. Aber auch Unkräuter kann man stehen lassen, sie sind bei Insekten und Bienen sehr beliebt. Mit anderen Worten: Eine große (Formen-)Vielfalt bei den Pflanzen ist gut, um möglichst viele Arten zu fördern.

Möchte man über das Blütenangebot hinaus die Bedingungen verbessern, empfiehlt es sich offene Bodenstellen zuzulassen oder zu schaffen, in denen Wildbienen nisten können. Denn zwei Drittel der heimischen Arten nisten im Boden. Das ist deutlich besser als zum Beispiel Insektenhotels im Handel zu kaufen, die Insekten nicht optimal fördern.

Apropos stehen lassen: Bienen und Insekten mögen ungemähte Wiesen, oder?

Warzecha: Ja, wer seine Wiese im Garten nur ein- bis zweimal im Jahr mäht, kann dadurch sehr blütenreiche Lebensräume für Insekten schaffen. Diese sollten nie komplett gemäht werden, sondern immer etwas für Insekten stehen bleibt. Dadurch bleibt in diesem Bereich über das ganze Jahr ein Nahrungsangebot auf der Wiese erhalten und Schmetterlinge finden dort geeignete Bedingungen für den Bau ihrer Puppenstuben.

Wo finden Interessierte weitere Informationen zur insektengerechten Gestaltung von Gärten und Balkonen?

Warzecha: Leider ist es nicht ganz einfach, dazu gute Quellen zu finden, da auch viele oberflächliche oder falsche Informationen im Internet zu finden sind. Es ist hilfreich sich mit den Insekten, die man fördern möchte, ein wenig auseinander zu setzten und in dem Zusammenhang etwas zu den benötigten Pflanzen nachzuschlagen. In Bezug auf Wildbienen kann ich die Website www.wildbienen.info von Paul Westrich empfehlen, einer der führenden Wildbienenexperten in Deutschland. Neben umfangreichen Informationen zu dieser Gruppe gibt er auch praktische Tipps zur insektenfreundlichen Gartengestaltung. Für die Förderung von Schmetterlingen finden sich auf der Projektseite unserer Kollegen aus Dresden unter www.schmetterlingswiesen.de interessante Informationen mit Empfehlungen geeigneter Nahrungspflanzen. Bei Senckenberg wird zudem gerade das Angebot an Mitmachprojekten und praktischen Empfehlungen ausgeweitet und allmählich auf der Seite www.gemeinsamforschen.senckenberg.de ergänzt.

Wie sind Sie eigentlich selbst zur Wildbienenexpertin geworden?

Warzecha: Mit Wildbienen habe ich mich erstmals während meiner Masterarbeit vor 10 Jahren beschäftigt. Die Faszination für diese spannenden und schönen Tiere hat mich danach nicht mehr losgelassen, und ich habe mich über die Jahre immer tiefer in das Thema eingearbeitet. Während man zur Biologie recht viel in Büchern nachlesen kann, benötigt man für die Einarbeitung in die Bestimmung der Arten vor allem Ausdauer, Übung und ein wenig den Blick fürs Detail. Diese Bestimmungsarbeiten waren ein großer Bestandteil während meiner Doktorarbeit und der Zeit als Volontärin am Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe, wo ich überwiegend an der Wildbienen Sammlung gearbeitet habe. Es freut mich daher sehr, dass Wildbienen und ihr Schutz mittlerweile die öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, die sie benötigen.

Das Interview führte René de Ridder, Regionalverband FrankfurtRheinMain


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