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Datum: 05.11.2025

Streuobst-Hochburg mit besonderer Verantwortung

Streuobstwiesen gehören zum hessischen Landschaftsbild wie kaum ein anderes Element – und besonders stark prägen sie die Wetterau. Wie eine aktuelle Untersuchung der Justus-Liebig-Universität Gießen zeigt, sind die Streuobstbestände in Hessen in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Während in den 1950er Jahren noch ein Vielfaches der heutigen Fläche bestand, existiert hessenweit inzwischen nur noch rund ein Drittel der damaligen Bestände. Am stärksten betroffen ist der Rheingau-Taunus-Kreis – am geringsten jedoch die Wetterau.


Für Rouven Kötter, Vorsitzender der Regionalschleife Wetterau der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute, ist das ein alarmierendes und verpflichtendes Signal: „Gerade weil wir in der Wetterau noch vergleichsweise viele Streuobstwiesen haben, tragen wir eine besondere Verantwortung, sie auch für kommende Generationen zu erhalten. Wir dürfen uns auf dem guten Stand nicht ausruhen. Alle müssen mitziehen – Kommunen, Eigentümer, Vereine und Ehrenamtliche. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass unsere Wiesen gepflegt, nachgepflanzt und genutzt werden.“


Kötter dankt in diesem Zusammenhang den zahlreichen Menschen, die sich tagtäglich für den Erhalt der Streuobstwiesen einsetzen: „Besonders die Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine und der Naturschutzorganisationen leisten hier Enormes – gerade in den letzten Wochen während der Ernte- und Kelterzeit, aber auch das ganze Jahr über mit Pflegeeinsätzen, Schnittkursen und Pflanzaktionen. Ebenso gebührt den regionalen Keltereien ein großes Dankeschön, die mit Leidenschaft und handwerklichem Können dafür sorgen, dass unsere heimischen Früchte zu hochwertigen Produkten verarbeitet werden. Dieses Engagement ist unbezahlbar und das Rückgrat unserer Streuobstkultur in der Wetterau.“


Die Streuobstwiesen prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die regionale Identität und Kultur. Sie sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und bilden die Grundlage für viele lokale Spezialitäten – vom Apfelwein über Apfelsaft bis hin zu Bränden, Gelees und Essigen. „Unsere Streuobstwiesen sind weit mehr als alte Obstbäume auf grünen Flächen“, betont Kötter. „Sie sind Teil unserer DNA, sie stehen für Nachhaltigkeit, für regionale Wertschöpfung und für Lebensqualität. Deshalb müssen wir sie aktiv pflegen und fördern.“


Die Regionalschleife Wetterau der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute setzt sich seit vielen Jahren mit ihren Mitgliedern für die Erhaltung, Bewirtschaftung und touristische Erlebbarkeit dieser einzigartigen Kulturlandschaft ein. Dazu gehören Informationsveranstaltungen, Obstwiesenfeste, Schulaktionen sowie Projekte zur Pflege und Nachpflanzung. „Wenn jeder ein kleines Stück Verantwortung übernimmt – sei es durch das Pflegen einer Wiese, das Pflanzen eines Baumes oder einfach durch den bewussten Kauf regionaler Apfelprodukte – dann bleibt die Wetterau auch in Zukunft das Herz der hessischen Streuobstkultur“, so Kötter abschließend.