Grundschüler und Kindergartenkinder erleben traditionelles Handwerk in Weilbach
Große Augen machten die über 200 Kinder als sie vor den gewaltigen Maschinen im Hof der Keltergemeinschaft Weilbach standen.
Handkelter zum Ausprobieren
An einem kurzweiligen Vormittag durften die Kinder der „Grundschule Am Weilbach“ und des Kindergartens „Terminal for Kids“ aus Langen, den Weg vom frisch gepflückten Apfel bis zum fertigen Saft hautnah miterleben – und dabei eine Menge über Natur, Technik und Umweltschutz lernen.
Von der Frucht zum Saft: Technik zum Anfassen
Wie viel Kraft und Technik nötig ist, um Saft zu gewinnen, zeigten Christian und Stefan Fey den jungen Gästen sehr anschaulich. Dass man einen ganzen Apfel selbst mit größter Mühe nicht von Hand pressen kann, bewiesen die beiden Experten zuerst an einer unbeschädigten Frucht. Die Lösung brachte moderne Technik: Ein sogenannter Elevator förderte die Äpfel nach dem Waschen aus einem Wasserbecken direkt in den Muser. Diese Maschine zerkleinerte das Obst zu einem Brei.
Wie leicht das Pressen danach fällt, demonstrierte Christian Fey, indem er dem Brei bereits mühelos mit der bloßen Hand den ersten Saft entlockte. Während die großen Mengen anschließend in einer professionellen Packpresse verarbeitet wurden, durften die Kinder an einer kindgerechten Korbpresse selbst Hand anlegen. Der Lohn der Arbeit: Genug frischer „Süßer“, damit jedes Kind reichlich davon probieren konnte.
Naturerkenntnisse und saure Gesichter
Neben dem Apfelsaft gab es für die Kinder auch botanische Entdeckungen zu machen. Viele sahen zum ersten Mal Quitten oder stellten überrascht fest, dass die Äpfel von der Streuobstwiese – anders als im Supermarkt – alle eine ganz eigene Form und Farbe haben. Ein besonderes Highlight war die Verkostung des Speierlings. Während die vollreifen Früchte den Kindern süß schmeckten, mussten die begleitenden Lehrerinnen auch unreifen Speierling probieren, der traditionell in den Apfelwein gemischt wird. Das kollektive Gesichtverziehen der Lehrerinnen sorgte für großes Gelächter unter allen Anwesenden.
Damit der Saft nicht nur frisch schmeckt, sondern auch lange hält, wurde ein Teil direkt von der Kelter in einen 80 Liter fassenden, beheizbaren Topf gepumpt. Bei rund 80 °C pasteurisiert und in sterile Beutel abgefüllt, so bleibt der Saft nun für über ein Jahr haltbar.
Die Streuobstwiese: Ein bedrohter Urwald vor unserer Haustür
Gottesanbeterin auf der Streuobstwiese
Den Organisatoren, allen voran Heiko Dörhöfer, war es wichtig, den Kindern auch die ökologischen Hintergründe zu vermitteln. Der Apfelbaum ist kein Wildbaum, sondern eine Kulturpflanze, die regelmäßige Pflege braucht. Die heimischen Streuobstwiesen, auf denen das Kelterobst wächst, sind wahre Hotspots der Biodiversität: Mit bis zu 5.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten stehen sie einem echten Urwald in nichts nach. Sie bieten Lebensraum für bedrohte Arten wie zum Beispiel dem Steinkauz, Spechten, dem Gartenrotschwanz, zahlreichen Fledermausarten, Wildbienen oder auch seltenen Flechten.
Doch dieses Paradies ist bedroht. In diesem Jahr fiel die Ernte durch die anhaltende Sommerdürre deutlich geringer aus als üblich. Der Experte erklärte, dass ein einzelner trockener Sommer den Bäumen zwar wenig anhabe, sie jedoch durch mehrere Dürrejahre in Folge geschwächt werden. Die fatalen Folgen sind bereits sichtbar: Die Ausbreitung von Misteln, der gefährliche Schwarze Rindenbrand und sogar der Borkenkäfer setzen den Beständen zu.
Auch der Wissensdurst wurde erfolgreich gestillt
Der Keltertag war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Die Begeisterung ging sogar so weit, dass eine Lehrerin bereits ankündigte, im nächsten Jahr mit ihrer Klasse nicht nur zum Keltern zu kommen, sondern vorab auch beim Auflesen der Äpfel auf der Streuobstwiese zu helfen. So soll im kommenden Jahr das „ganze Programm“ der traditionellen Saft- und Apfelweinherstellung auf dem Stundenplan stehen. www.kg-weilbach.de