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Zukunftsgespräch: Wärmewende in der Region FrankfurtRheinMain – Kommunale Wärmeplanung, ein Blick in die Praxis am Beispiel von Hofheim

Am 29. April 2025 von 10:00 bis 11:30 Uhr fand das zweite „Zukunftsgespräch: Wärmewende in der Region FrankfurtRheinMain“ statt – dieses Mal mit dem Schwerpunkt kommunale Wärmeplanung (KWP). Im Fokus stand die Praxisvorstellung aus der Stadt Hofheim am Taunus, die frühzeitig in den Planungsprozess eingestiegen ist.
Die Veranstaltung richtete sich an Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Kreisen und Fachbehörden der Region FrankfurtRheinMain. Insgesamt nahmen rund 60 Personen teil – darunter Fachkräfte aus 29 Kommunen, aus den Kreisverwaltungen Hochtaunus, Main-Taunus und Main-Kinzig sowie der LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen.

Die Stadt Hofheim wurde durch zwei Personen vertreten:
Monique Delbos
Frau Delbos ist Klimaschutzmanagerin der Stadt Hofheim. Sie war zunächst für das Klimaschutzkonzept verantwortlich, das im September 2024 verabschiedet wurde, und hat daneben an der kommunalen Wärmeplanung mitgearbeitet. Ihr Ziel: Die Stadt sollte möglichst früh ein strategisches Planungsinstrument für eine klimafreundliche Wärmeversorgung erhalten und den Bürgerinnen und Bürgern Planungssicherheit bieten.

Ulrich Disser
Herr Disser ist Umweltbeauftragter der Stadt Hofheim. Seine Schwerpunkte liegen im technischen Umweltschutz, insbesondere im Energiemanagement kommunaler Liegenschaften, in der Energiebeschaffung, der Förderung der E-Mobilität sowie in der Planung und Umsetzung der Hofheimer Klimakampagne seit 2021.


Vorstellung der kommunalen Wärmeplanung in Hofheim:
In ihrer Präsentation gaben Frau Delbos und Herr Disser einen praxisnahen Einblick in den Ablauf der kommunalen Wärmeplanung (KWP) der Stadt Hofheim. Dabei betonten sie u.a. zentrale Erfolgsfaktoren:

  • Klare Rollenverteilung zwischen Stadt, Planungsbüros (hier Süna und greenventory) und Projektkoordination
  • Frühe und strukturierte Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Pressemitteilungen, ein Funktionspostfach, eigene Veranstaltungen)
  • Einbindung ehrenamtlicher Gruppen und bürgernaher Austausch u.a. Durchführung von Workshops
  • Einsatz eines digitalen Zwillings zur Analyse, Visualisierung und Kommunikation

Geplanter Beteiligungsablauf:

  • Juni 2024: Auftaktveranstaltung
  • August 2024: Informationsveranstaltung mit Fokus auf die Altstadt
  • November 2024: Erster Stakeholder-Workshop
  • März 2025: Zweiter Stakeholder-Workshop
  • Herbst 2025: Abschlussveranstaltung


Fragen und Diskussion zur kommunalen Wärmeplanung in Hofheim:
In der Diskussion wurden folgende Themen vertieft:

  • Kommunikation und Beteiligung: Die Beteiligung der Öffentlichkeit begann frühzeitig. Besonders die situative Anpassung von Formaten (z. B. auf Wunsch ehrenamtlicher Gruppen) wurde als wichtiger Erfolgsfaktor benannt.
  • Projektvergabe: Die Auswahl der Planungspartner erfolgte über ein transparentes Vergabeverfahren, bei dem ein Musterleistungsverzeichnis (KWW Halle) als Grundlage diente.
  • Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen: Diese fand während der Erstplanung noch nicht statt, ist aber für die weitere Umsetzung vorgesehen.
  • Grenzen der Wärmeplanung: Technische Fragen wie Sanierungstiefe oder Vorlauftemperaturen können nicht abschließend in der KWP beantwortet werden – hierfür sind spätere Umsetzungs- und Machbarkeitsstudien notwendig.
  • Bürgerschaftliche Beteiligung: Hofheim prüft derzeit die Einbindung von Bürgerenergiegenossenschaften oder die Gründung einer eigenen städtischen Wärmeversorgungsgesellschaft (z. B. in Kooperation mit Solarinvest).


Live-Vorstellung des digitalen Zwillings:
Ein Highlight der Veranstaltung war die Live-Vorführung des digitalen Zwillings, der in Hofheim als zentrales Element der kommunalen Wärmeplanung zum Einsatz kommt.

Rolle und Funktion:

  • Entscheidungs- und Planungstool für kommunale Verwaltungen
  • Entwicklung von Handlungs- und Zukunftsszenarien auf Basis von realen Verbrauchs- und Potenzialdaten
  • Transparente Kommunikation gegenüber Politik und Öffentlichkeit
  • Grundlage für spätere Umsetzungs- und Infrastrukturentscheidungen
  • Anknüpfungspunkt für interkommunale Zusammenarbeit (z. B. Abgleich von Wärmeinfrastrukturen)

Fragen und Diskussion zum digitalen Zwilling:
In der Fragerunde wurden folgende Aspekte besonders hervorgehoben:

Kosten und Finanzierung:

  • Erstellungskosten unter 100.000 Euro, abhängig von Größe und Komplexität der Kommune
  • Finanzierung wurde frühzeitig im städtischen Haushalt verankert
  • Umsetzung im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung

Ausschreibung und Auswahlverfahren:

  • Unterstützung durch kommunale Vergabestelle
  • Nutzung des KWW-Musterleistungsverzeichnisses, ergänzt um Vorgaben des Hessischen Energiegesetzes
  • Bewertet wurden: Angebotsstruktur, Erfahrung, Preis
  • Zuschlag ging an Süna, begleitet durch greenventory, um die Technologieoffenheit und wissenschaftliche Fundierung sicherzustellen


Ausblick:
Die Veranstaltung endete mit einem positiven Fazit:
Die Wärmeplanung in Hofheim zeigt exemplarisch, wie kommunale Prozesse erfolgreich gestaltet werden können – durch klare Zuständigkeiten, offene Kommunikation, technische Innovationen und Beteiligung der Bürgerschaft.
Die Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt vom strukturierten Vorgehen der Stadt Hofheim und den vielfältigen Praxisimpulsen für ihre eigenen Planungsprozesse. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die kommunale Wärmeplanung ein fortlaufender Lernprozess ist, der kontinuierliche Weiterentwicklung, Kooperation und Offenheit erfordert.