Hoheitliche Grenzen trennten Land und Leute
Schon in der Antike dienten Grenzsteine als Markierungszeichen. Mit ihnen wurde das Recht auf Grund und Boden, Nutzung oder Besteuerung festgelegt.
Nachdem sich die Besiedelung nördlich der Alpen im Hochmittelalter immer mehr verdichtete, wurden natürliche Grenzmarkierungen wie Bergrücken, Flüsse, Straßen oder Einzelbäume immer mehr von beschrifteten Grenzsteinen abgelöst.
Ein schönes Beispiel bietet ein Grenzstein aus dem Jahr 1716 am Loogweg im Rüsselsheimer Wald. Der Grenzstein ist einer von mehreren entlang des Loogweges ("loog" ist ein zeitgenössisches Wort für "messen"), der die großherzoglich genehmigte Grenze in einer Waldgemeinschaft zwischen Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf markierte.
Die Karte von 1789 zeigt, wie kleinteilig unsere Region zeitweise war. Das erklärt, warum wir auch heute noch zahlreiche Grenzsteine im Rhein-Main-Gebiet finden. Meist haben sie sich in Waldgebieten erhalten können.
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© Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde
Kleinstaaten 1789 im heutigen Hessen
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Grenzstein entlang des Loogweges bei Rüsselsheim
Im 19. Jahrhundert lösten andere Materialien die steinernen Grenzwächter ab. So wurde 1825 von der nassauischen Landesregierung zwischen Hochheim am Main (Großherzogtum Hessen) und Mainz-Kostheim (Herzogtum Nassau) an der heutigen B40 eine Grenzsäule aus nassauischem Marmor aufgestellt. Das eingemeißelte Wappen zeigt den nassauischen Löwen. Nachdem das Herzogtum Nassau 1866 von Preußen annektiert worden war, brachte man die königlich-preußischen Embleme an dieser Säule an. Sie wurde 1985 restauriert und steht heute unter Denkmalschutz.
Neben Grenzsteinen und -säulen legte man auch Erdwälle zur Grenzsicherung, sogenannte Landwehren an. Sie stammen meist aus dem Hoch- und Spätmittelalter und sind insbesondere in Waldgebieten oft bis heute erkennbar. Landwehren bestanden in der Regel aus einem Graben und einem Wall, der mit undurchdringlichen Hecken bepflanzt war.
So auch die Ringlandwehr in Dreieich, die 1348 erstmals erwähnt wurde, sechs Dörfer schützte und 32 km lang war. Sie schützte vor Räubern und Schmuggel und sollte teilweise auch verhindern, dass das Vieh auf die Äcker lief. Am Buchschlag ist die Landwehr noch gut zu erkennen, teilweise rekonstruiert und mit einem Lehrpfad (»DreyEicher Grenzweg«) versehen.
Entlang der Landwehr sind noch zahlreiche Grenzsteine von 1783 erhalten, die die Grenze zwischen den Territorien Ysenburg und Hessen-Darmstadt markierten.
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Grenzsäule bei Hochheim
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Landwehr am Oberen Rotlaufweg in Bad Homburg
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Grenzstein-Garten im Freilichtmuseum Hessenpark
Auch Frankfurt hatte Landwehren, die die Stadt schützten, denn insbesondere im 14. und 15. Jahrhundert gab es immer wieder Fehden mit den benachbarten Dynastien, besonders Hanau und Ysenburg. Die Landwehren hatten aber auch den Vorteil, dass sie den Verkehr auf einige wenige Durchlässe beschränkte, wo man dann gut Zoll erheben konnte. Der Verlauf der verschiedenen Landwehren ist auf dieser Abbildung zu erkennen.