Schienen formen Kulturlandschaft
Seit Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie in Deutschland 1835 sind rund 190 Jahre vergangen. Schon vier Jahre später, 1839, wurde die erste Bahnlinie in unserer Region eröffnet - die Taunusbahn zwischen Wiesbaden und Frankfurt. Seit dieser Zeit durchschneiden Eisenschienen die Landschaft. Zum Transport von Menschen und Gütern waren und sind die Eisenbahnen unerlässliche Verkehrsmittel. Jedoch befand sich das Eisenbahnnetz aufgrund der Massenmotorisierung seit den 1960er-Jahren in den ländlichen Gebieten im Rückbau, und so formen die stillgelegten Schienenstränge die Kulturlandschaft mit.
Ein besonderes Zeugnis ist die denkmalgeschützte Eisenbahnlandschaft von Bischofsheim im Kreis Groß-Gerau. Bischofsheim entwickelte sich ab 1904 zum Eisenbahnverkehrsknoten im südlichen Rhein-Main-Gebiet. Bis zu 1.000 Bahnbedienstete arbeiteten hier in Wartung, Reparatur und am Güterbahnhof. Zwei 50 Meter lange und von Zwangsarbeitern gemauerte Untersuchungsgruben aus dem Zweiten Weltkrieg sind Reste des früher riesigen Werkes, das die in Reparatur befindlichen Loks vor Bombenschäden schützen sollte. Heute hat die Bischofsheimer Eisenbahnlandschaft Aufnahme in die Route der Industriekultur Rhein-Main gefunden. Teil davon ist auch der Ringlokschuppen von 1904, der eine 20 Meter große Drehscheibe hat. Die Wände des Gebäudes bestehen aus gemauerten Rundböden aus rotem Sandstein. Der Wasserturm von 1912, der die Lokomotiven bis 1964 mit Wasser versorgte, ist heute das Wahrzeichen der Gemeinde.
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Untersuchungsgrube bei Bischofsheim (Zustand im Jahr 2003)
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Ehemalige Bahnstrecke Butzbach - Lich
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Die Bäume lassen die ehemalige Bahnstrecke Grävenwiebach - Weilmünster erahnen
Viele Landschaftsrelikte gehören zur ehemaligen Eisenbahnlandschaft. So zum Beispiel ein westlich vom Butzbacher Stadtteil Pohl-Göns gelegener Abschnitt der Eisenbahntrasse Butzbach – Lich, die zu einer Fabrik nach Langgöns-Cleeberg führte. Die ehemalige Bahntrasse ist als Damm in Feld und Wald noch gut zu erkennen, sogar ein Prellbock ist erhalten.
Auch Dämme und Einschnitte der Bahnstrecke Grävenwiesbach – Weilmünster sind in der Landschaft noch zu erkennen. Die Bahnlinie querte das Steinkertztal zwischen Mönstadt und Naunstadt über ein 23 Meter hohes Viadukt. Die imposante Stahlfachwerkbrücke wurde 1973 abgerissen, zwei gemauerte Widerlager an beiden Talseiten sind noch erhalten. Auf dem Foto erkennt man den nördlichen Brückenkopf. Weitere Informationen unter www.weiltalbahn.de.
Zwischen Friedberg und Bad Nauheim gibt es eine eindrucksvolle Brücke der Main-Weser-Bahn von 1850. Sie ist 250 Meter lang und 16 Meter hoch und überquert das Tal der Usa. Die 24 monumentalen Bögen gaben der Brücke im Volksmund den Namen »24 Hallen«.
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Eisenbahnviadukt über das Steinkertztal bei Grävenwiesbach
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© Kay-Hermann Hörster
»24 Hallen« zwischen Friedberg und Bad Nauheim