Spielen, wo die Wildbienen leben
Ausgezeichnet beim Wettbewerb „Blühende Gärten“: Ein naturnaher Spielplatz in Kronberg bietet Platz zum Spielen und schafft neue artenreiche Lebensräume
Yvonne Richter (Stadt Kronberg, untere Reihe, 2. von rechts,); Maria Hartmann (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, untere Reihe, 3. von rechts); Bettina Kühn (Regionalverband, untere Reihe, 4. von rechts); David Palfi (Stadt Kronberg, untere Reihe, 4. von links); Tanja Matschinsky (Hessische Gartenakademie des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, untere Reihe, 1. von links); Sandra Poschmann (Stadt Kronberg, obere Reihe, 2. von rechts) Heiko Wolf (Erster Stadtrat Kronberg, obere Reihe, 3. von rechts) sowie weitere Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung »Zu Gast bei den Gewinnergärten« in Kronberg.
Die blau leuchtenden Blüten des Natternkopfes auf dem Kronberger Spielplatz Friedensstraße sind ein echter Hingucker. Abgesehen von ihrer schönen Optik bilden die Wildstauden eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. Zwischen Pflanzen und Spielgeräten versucht Wildbienenexpertin Maria Hartmann (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz), mit ihrem Kescher ein paar Bienen einzufangen. Lange leer bleibt das Insektennetz nicht: Auf dem Areal herrscht eine bemerkenswerte Artenvielfalt.
Dass es so gut gelang, die Fläche in Kronberg-Oberhöchstadt in einen attraktiven Spiel- und Erlebnisraum zu verwandeln und zugleich mit vielfältigen Bepflanzungen neue Lebensräume zu schaffen, hatte die Jury des Fotowettbewerbs „Blühende Gärten“ im Jahr 2025 überzeugt. Sie vergab den ersten Platz in der Kategorie „Kommunale Grünflächen“ an die Stadt Kronberg.
„Grund genug, das ausgezeichnete Kronberger Grünflächenprojekt vor Ort vorzustellen und Teilnehmenden den ökologischen Wert naturnaher Grünanlagen näher zu bringen“, sagte Bettina Kühn vom Regionalverband FrankfurtRheinMain. Rahmen ist die laufende Veranstaltungsreihe „Zu Gast bei den Gewinnergärten“ die wie der Fotowettbewerb gemeinsam vom Regionalverband und dem Projekt „GartenRheinMain“ der KulturRegion FrankfurtRheinMain organisiert wird.
Bei der Veranstaltung skizzierte der Erste Stadtrat Heiko Wolf einen Paradigmenwechsel in der Grünflächenpflege. Seit vielen Jahren verfolge die Stadt Kronberg das Ziel, öffentliche Grünflächen naturnah und klimaangepasst zu gestalten. Die Umgestaltung des Spielplatzes Friedensstraße sei Teil einer größeren Strategie. Es ist geplant, auch bei weiteren Sanierungen von Spielplätzen die Biodiversität mit zu berücksichtigen, so Wolf.
Yvonne Richter vom Umweltreferat der Stadt Kronberg erzählte, in welcher Form der sanierungsbedürftige Spielplatz in der Friedensstraße in einen beeindruckenden Natur-Erlebnis-Raum verwandelt wurde. Mittlerweile bietet die Fläche auf rund 2.200 Quadratmetern Natur,- Spiel- und Treffpunktelemente für Kinder allen Alters sowie für Eltern. Neben Spielgeräten zum Schaukeln, Klettern und Rutschen gibt es frei zugängliche Naturmaterialien. Die drei Geländeebenen sind durch modellierte Hügel verbunden. Entstanden ist eine vielgestaltige Spiellandschaft mit Wegen, Plätzen, Nischen und artenreicher Bepflanzung.
Bei der Sanierung wurden nur heimische Stauden, Sträucher und Bäume verwendet. Es gibt magere Trockenstandorte, Schattenbeete mit Wildblumen und Kleingehölzen, strukturierende Trockenmauern, Wildblumenwiesen und -säume sowie Blumenschotterrasen, die Pflanzen und Tieren neue Lebensräume eröffnen. Auf dem Spielplatz wurden 45 verschiede Straucharten und 750 Wildstauden aus 95 Arten gepflanzt. Die Staudensäume werden nur selten gemäht, um den Insekten Nahrung zu bieten. Über den Winter werden sie stehen gelassen und bieten damit Überwinterungsmöglichkeiten für Eier, Larven und Insekten. Für das Nahrungsangebot im Jahr blühen zahlreiche Frühblüher. Dazu wurden Altbäume integriert, die das Gelände im Rahmen der Klimaanpassung beschatten.
Die Kronberger Fläche ist der erste naturnahe Spielplatz überhaupt, der beim Fotowettbewerb „Blühende Gärten“ eingereicht wurde. „Dieser Platz hat völlig zu Recht einen ersten Platz erhalten, weil Klimaanpassung, Biodiversität und eine vielfältige standortgerechte Bepflanzung mit heimischen Pflanzenarten umgesetzt wurden. Außerdem ist er sehr öffentlichkeitswirksam und wird gut von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen“, sagte Tanja Matschinsky (Hessische Gartenakademie des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen), die der Fachjury des Fotowettbewerbs angehört.
Dass sich der Kronberger Spielplatz zu einem Eldorado für Wildbienen gemausert hat, beobachtet auch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, die vor Ort ein Wildbienenmonitoring durchführt. Auf der überschaubar großen Kronberger Fläche leben 16 bis 18 Wildbienenarten. „Für die Bestäubung unserer Nutzpflanzen sind Wildbienen besonders wichtig. Sie bewegen sich anders und haben damit eine höhere Bestäubungsleistung“, erklärt Biologin Maria Hartmann.
Apropos: Wer auf eigene Faust den Artenreichtum auf dem Spielplatz Friedensstraße dokumentieren möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Kürzlich startete die Stadt Kronberg ein Citizen-Science-Projekt, an dem die Bevölkerung teilnehmen kann. Interessierte sind aufgerufen, bis zum 31. August 2026 mit Hilfe einer Kamera und einer spezifischen Handy-App Tiere und Pflanzen auf Spielplatz in der Oberhöchstädter Friedensstraße festzuhalten und zu lokalisieren. Die Initiatoren erhoffen sich davon wichtige Aufschlüsse über den Reichtum an Arten und deren Bestände auf der Fläche.
Weitere Informationen
Mehr Infos zum Citizen-Science-Projekt Spielplatz Friedensstraße der Stadt Kronberg:
https://www.kronberg.de/de/planen-bauen-umwelt/umwelt-und-naturschutz/spielplatz-friedensstrasse/
Infos zum Fotowettbewerb „Blühende Gärten“ und zur Veranstaltungsreihe „Zu Gast bei den Gewinnergärten“:
www.klimaenergie-frm.de/fotos
www.krfrm.de/bluehende-gaerten/
Der letzte Termin der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Zu Gast bei den Gewinnergärten“ findet am Donnerstag, 25. Juni 2026, um 17.30 Uhr im „Garten der Vielfalt“ in Ginsheim statt. Der Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.